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Mai 2026

Es wird (nicht) einfacher
13. Mai 2026 durch
Alex Schwerzmann

Liebe Freunde digitaler Welten

Diesen Monat geht es um drei Dinge, die dich direkt betreffen: Eine Betrugsmasche, die immer raffinierter wird. Eine Neuerung, die Passwörter überflüssig machen könnte. Und eine Frage, die sich viele stellen, aber kaum jemand laut ausspricht: Gebe ich eigentlich zu viel für IT aus – oder zu wenig?

Dein Chef schreibt dir – aber er ist es nicht

Phishing-Mails kennen wir alle: schlecht formulierte Nachrichten mit verdächtigen Links. Das Problem ist: Diese Zeiten sind vorbei. Aktuelle Phishing-Angriffe werden zunehmend mit KI erstellt – in fehlerfreiem Deutsch, im richtigen Tonfall, und manchmal sogar mit einer gefälschten Stimme am Telefon.

Laut aktuellen Erhebungen stufen inzwischen 75 Prozent der KMU-Inhaber Cyberangriffe als grösstes operatives Risiko ein – noch vor Konjunktursorgen und Fachkräftemangel. Und die häufigste Eintrittsür sind gestohlene oder erschlichene Zugangsdaten: Ein falscher Klick, ein zu schnell eingegebenes Passwort, und der Angreifer ist drin.

Besonders tückisch: Sogenannte «Business E-Mail Compromise»-Angriffe, bei denen du eine Mail von deinem Chef, deinem Treuhänder oder einem Lieferanten erhältst – scheinbar echt, mit korrektem Absender und plausiblem Inhalt. Erst beim genauen Hinsehen fällt auf: Die IBAN stimmt nicht, oder der Link führt woanders hin.

Was du sofort tun kannst: Erstens: Sei bei jeder Zahlungsaufforderung per Mail misstrauisch – auch wenn sie von bekannten Absendern kommt. Ruf im Zweifelsfall kurz an (nicht über die Nummer in der Mail, sondern über die dir bekannte Nummer). Zweitens: Aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung überall, wo es möglich ist. Drittens: Rede mit deinen Mitarbeitenden darüber – Sicherheit ist kein IT-Thema, sondern ein Teamthema.

Passkeys statt Passwörter – das Ende der Klebezettel?

Du kennst das: «Sommer2024!», «Firmenname123», oder der Klassiker auf dem gelben Zettel am Bildschirm. Passwörter sind seit Jahrzehnten das schwächste Glied in der IT-Sicherheit. Jetzt gibt es erstmals eine echte Alternative, die auch für Nicht-Techniker funktioniert: Passkeys.

Ein Passkey ist ein digitaler Schlüssel, der auf deinem Handy oder in einem Passwort-Manager gespeichert wird. Statt ein Passwort einzutippen, entsperrst du den Zugang mit deinem Fingerabdruck, deinem Gesicht oder deinem Geräte-PIN. Du musst dir nichts merken, es gibt nichts zu tippen – und ein Angreifer kann den Schlüssel nicht stehlen, weil er nirgends sichtbar ist.

Das ist keine Zukunftsmusik: Apple, Google und Microsoft unterstützen Passkeys bereits in ihren aktuellen Systemen. Immer mehr Dienste bieten die Anmeldung per Passkey an – von Microsoft 365 über Google Workspace bis hin zu vielen Online-Shops. Laut aktuellen Erhebungen setzen inzwischen 87 Prozent der grösseren Unternehmen Passkeys ein oder testen sie aktiv. Die Anmeldung ist viermal zuverlässiger und doppelt so schnell wie mit Passwörtern.

Was du jetzt tun kannst: Du musst nicht alles auf einmal umstellen. Fang bei einem Dienst an – zum Beispiel deinem Microsoft- oder Google-Konto – und richte dort einen Passkey ein. Das dauert zwei Minuten. Wenn es dir gefällt, nimmst du den nächsten Dienst dazu. Und für alles, wo Passkeys noch nicht gehen: Ein Passwort-Manager ist immer noch besser als der Klebezettel.

Was gibt dein Betrieb für IT aus – und ist das normal?

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird: «Sind meine IT-Kosten normal?» Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Aber es gibt Richtwerte.

Schweizer KMU mit 10 bis 249 Mitarbeitenden investieren im Schnitt rund 4 Prozent ihres Jahresumsatzes in IT.

Das umfasst alles: Hardware, Software, Lizenzen, Support, Internetanbindung, Telefonie. Bei einem Jahresumsatz von einer Million Franken wären das also rund 40’000 Franken im Jahr oder gut 3’300 Franken im Monat. Branchenabhängig schwankt dieser Wert zwischen 3 und 6 Prozent – wer stark digitalisiert ist oder Wachstumsziele hat, landet eher bei 6 bis 8 Prozent.

Wichtig zu wissen: 30 bis 50 Prozent der tatsächlichen IT-Kosten sind versteckt. Der Drucker, der immer wieder streikt und dich jedes Mal eine halbe Stunde kostet. Der Mitarbeiter, der wegen eines verlorenen Passworts einen halben Tag nicht arbeiten kann. Die Lizenz, die du seit zwei Jahren zahlst, aber niemand mehr nutzt. Diese Kosten tauchen auf keiner Rechnung auf – aber sie sind real.

Mein Vorschlag: Nimm dir einmal im Jahr einen Morgen Zeit und zähle zusammen, was du tatsächlich für IT ausgibst – inklusive der Lizenzen, die du vielleicht vergessen hast. Vergleiche den Betrag mit deinem Umsatz. Wenn du unter 3 Prozent liegst, investierst du möglicherweise zu wenig – das rächt sich irgendwann. Wenn du über 6 Prozent liegst, lohnt sich ein genauerer Blick, ob alles sinnvoll eingesetzt ist. Und wenn du möchtest, schauen wir gemeinsam drüber.

Hast du Fragen zu einem dieser Themen? Oder möchtest du wissen, wo dein Betrieb steht? Melde dich – ich unterstütze dich gerne.

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Quellen & Hintergrund

KI-Phishing: VikingCloud SMB Threat Landscape Report 2026 · IBM Cost of a Data Breach Report 2025

Passkeys: FIDO Alliance Passkey Adoption 2026 · state-of-passkeys.io · Bitwarden: Passkeys – A Practical Guide

IT-Budget: IT-Provider.ch: IT-Budget KMU Schweiz · Netzwoche: IT-Ausgaben KMU · Computerworld.ch: KMU investieren in IT

Trendradar: Digita Mondo Tech & KI Trendradar 2026 (intern).

Alex Schwerzmann 13. Mai 2026
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