Liebe Kunden und solche, die es werden wollen
Diesen Monat geht es um grundlegende Fragen, die mich in den letzten Wochen umgetrieben haben: Wieso wird gefühlt das Delta zwischen technischem Potenzial und Kompetenzen in der Belegschaft von Tag zu Tag grösser – trotz aller Anstrengungen von Geschäftsleitung bis IT-Abteilung, die IT-Anwender «fit zu machen» auf den relevanten Themen? Um es vorwegzunehmen: Es liegt in der Natur des Menschen. Es gibt kein Gut oder Schlecht – und leider auch keine einfache Lösung. Aber ein paar Werkzeuge, die helfen, den eigenen Standort zu bestimmen. Aber zuerst ein Thema, das uns hier in Horgen direkt betrifft.
Die IT-Abstimmung vom 14. Juni
Am 14. Juni stimmen wir in Horgen über die IT-Zukunft der Gemeinde ab. Konkret geht es darum, ob die Zusammenarbeit mit der ZII (Zimmerberg Informatik AG) beendet und zu einem neuen Anbieter gewechselt werden soll. Die Kosten: CHF 1,67 Millionen einmalig für den Wechsel, danach CHF 2,4 Millionen jährlich.
Das "Angst-Argument" IT-Sicherheit wird einseitig und schlecht belegt eingeführt. Tatsächlich scheint der Anbieter Zimmerberg Informatik AG die Hausaufgaben im Bereich IT-Sicherheit und Geschäftskontinuität gemacht zu haben. In Zeiten, wo alle von Souveränität sprechen (siehe auch https://netzwerksds.ch/), erscheint es umso anachronistischer, von Sicherheitsvorteilen bei anderen Anbietern zu sprechen, die man nicht mehr selber via Verwaltungsratseinsitz kontrollieren kann.
Was mich zusätzlich stört: Die ZII beschäftigt 14 Mitarbeitende in Horgen und betreut 13 weitere öffentliche Kunden in der Region. Das ist lokale Wertschöpfung, das sind Arbeitsplätze, das ist Verankerung (und abgesehen davon eine sehr sportliche Leistung, diese Anzahl Anwender mit nur 14 Mitarbeitenden zu bedienen). Die wiederkehrenden Betriebskosten der IT würden bei einem Wechsel gut um die Hälfte ansteigen (von CHF 1.61 Mio auf CHF 2.4 Mio.). Dazu kommen Dividenden, die der Gemeinde in den letzten Jahren jährlich bis zu CHF 135’000 eingebracht haben. All das einzugehen und aufzugeben für einen Wechsel, dessen Mehrwert nicht belegt ist, halte ich für riskant. Meine Empfehlung: Informiere dich auf it-zukunft-horgen.ch – eine kritische Bürgerstimme mit allen Zahlen und Quellen.
Deine IT - ein Fall für den Betriebspsychologen?
ChatGPT hatte nach 60 Tagen 100 Millionen Nutzer. Das Radio brauchte dafür 40 Jahre. Das Smartphone drei. Die Beschleunigung ist atemberaubend – aber unser Betriebssystem Mensch ist seit 300’000 Jahren dasselbe. Und genau hier liegt die Wurzel des Problems, das ich in der Einleitung beschrieben habe.
Die Forschung bestätigt, was du wahrscheinlich aus dem Alltag kennst: Unser Arbeitsgedächtnis verarbeitet vier bis sechs Informationseinheiten (Chunks) gleichzeitig. Ab fünf gleichzeitigen Veränderungen – neues Tool, neuer Prozess, neue Oberfläche, neue Passwortregeln, neues Abrechnungssystem – steigt die Fehlerquote massiv. Nicht weil jemand zu wenig schlau ist. Sondern weil kein Mensch dafür gebaut ist, fünf Baustellen gleichzeitig zu verdauen.
Man nennt das auch «Adaptionsparadox»: Technologische Adoption passiert in Monaten. Menschliche Anpassung braucht Jahre. Organisatorische Reifung braucht Jahrzehnte. Die Schere öffnet sich – und mit ihr steigen die versteckten Kosten: Frust, Fluktuation, Schatten-IT, Fehler.
Kennst du das? Montagmorgen, drei Apps wollen ein Update, der Drucker ist nicht mehr verbunden, Teams begrüsst dich mit 47 Nachrichten über Nacht, und der Chef hat übers Wochenende ein neues Projektmanagement-Tool entdeckt, das «ab sofort» alle nutzen sollen. Das kann stressig sein.
Die Psychologie kennt den Gegenpol: den «Flow»-Zustand, in dem Herausforderung und Kompetenz im Gleichgewicht sind. Dort arbeiten wir am produktivsten und zufriedensten. Der Schlüssel liegt nicht darin, mehr Technologie einzuführen – sondern die richtige, im richtigen Tempo, mit genügend Zeit zum Ankommen. Und vor allem: in der richtigen Reihenfolge.
Was das für dich heisst: Wenn deine IT dich eher stresst als entlastet, liegt es wahrscheinlich nicht an dir. Führe neue Werkzeuge einzeln ein, nicht im Paket. Gib dir und deinen Leuten Zeit, sie wirklich zu verstehen. Und frag dich bei jedem neuen Tool: Löst es ein Problem, das ich tatsächlich habe – oder eines, von dem mir jemand eingeredet hat, dass ich es haben sollte?
Wo steht dein Betrieb digital? Eine kleine Standortbestimmung
Damit sind wir bei der praktischen Frage: Wenn das Tempo der Technologie das Tempo der Menschen übersteigt, wie findest du dann heraus, wo du und dein Betrieb eigentlich stehen und was noch vor dir liegt (sofern du das angehen möchtest)? Die meisten haben ein Bauchgefühl, irgendwo zwischen «läuft schon» und «ich trau mich nicht zu fragen». Dabei wäre eine nüchterne Einschätzung Gold wert – nicht als Schulnote, sondern als Kompass.
Ich stelle dir deshalb ein Reifegradmodell zu Verfügung. Es deckt sechs Bereiche ab: Cybersicherheit, Backup und Geschäftskontinuität, Geräte und Infrastruktur, digitale Kanäle, Fachanwendungen und Prozesse, sowie digitale Kompetenz und KI. In jedem Bereich gibt es vier Stufen – von «Einstieg» bis «Zukunftsfähig». Die Kurzversion dauert fünf Minuten, die ausführliche rund zwanzig.
Wichtig jedoch ist: Es gibt keine falsche Stufe. Ein Coiffeursalon, der auf Stufe 2 steht und dort sauber funktioniert, hat mehr erreicht als ein Betrieb auf Stufe 4, der seine eigenen Systeme nicht versteht. Wer jetzt an Trend 1 denkt: Genau darum geht es. Nicht möglichst weit oben stehen, sondern wissen, wo man steht – und ob der nächste Schritt Sinn macht oder ob man erst den jetzigen verdauen sollte.
Du findest es hier: https://www.digita-mondo.ch/miss-deine-it-maturitat
Falls du willst, schick mir dein Ergebnis – dann schauen wir gemeinsam drüber.
Welcher Technik-Typ bist du? Ein digitales «Psychogramm»
Das Reifegradmodell zeigt dir, wo dein Betrieb steht. Aber es gibt eine zweite Frage, die mindestens so aufschlussreich ist: Welcher digitale Typ bist du eigentlich selbst? Denn nicht jeder Mensch tickt gleich, wenn es um Technologie geht. Und das ist kein Defizit – das ist ein Profil.
Auch hier stelle ich experimentell ein Werkzeug bereit, das genau das sichtbar macht. In 32 kurzen Fragen – dauert etwa vier bis fünf Minuten – erarbeitest du dir deinen digitalen Typ. Es misst acht Dimensionen: von Experimentierfreude über Daten-Affinität und Lernmotivation bis hin zu Risikobereitschaft und Autonomie.
Am Ende bekommst du ein Spinnennetz-Diagramm, das zeigt, wo deine Stärken liegen – und welche Technologien zu deinem Profil passen. Bist du ein Digital-Pionier, der neue Tools testet, bevor andere davon gehört haben? Ein Prozess-Optimierer, der Ineffizienz von Weitem riecht? Oder ein Team-Enabler, der andere mitreisst? Das Tool zeigt dir auch, welche Technologien in deiner Reichweite liegen, welche ein realistisches nächstes Ziel sind – und welche dich heute eher frustrieren als begeistern würden.
Und hier schliesst sich der Kreis zum Thema 1: Ein Abteilungsleiter in einem Industriebetrieb mit hoher Prozessaffinität und tiefer Experimentierfreude ist nicht «schlechter» als jemand, der jedes Beta-Feature am ersten Tag testet. Er braucht einfach andere Werkzeuge – und ein anderes Tempo. Wer das weiss, trifft bessere Entscheidungen. Für sich selbst und für sein Team.
Probier es aus: tipo.digita-mondo.ch – kostenlos, keine Datenspeicherung, kein Login. Und wenn du magst, schick mir dein Ergebnis. Dann reden wir darüber, was es für dich und deinen Betrieb bedeutet.
Drei Überthemen, ein roter Faden: Verstehen, wo du stehst – als Betrieb und als Mensch – und dann die richtigen Schritte im richtigen Tempo.
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Quellen & Hintergrund
IT-Abstimmung Horgen: it-zukunft-horgen.ch (unabhängige Analyse von Michael Hausmann)
Adoptionsgeschwindigkeit & Mensch: Cowan: Working Memory Capacity
(2001) · FHNW KMU-Transformation 2025
Reifegradmodell & Psychogramm: Digita Mondo, eigene Entwicklung 2026 · maturo.digita-mondo.ch / tipo.digita-mondo.ch
Trendradar: Digita Mondo Tech & KI Trendradar 2026 (intern).