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April 2026

KI nimmt Fahrt auf
13. Mai 2026 durch
Alex Schwerzmann

Geschätzte Mitstreitende im digitalen Chaos

Im April trudelten wieder neue Schlagzeilen rein: KI hier, Copilot da, und irgendwer hat schon wieder ein Tool erfunden, das alles besser macht. Ich sortiere für dich, was davon in deiner Welt tatsächlich ankommt – und was du getrost ignorieren darfst.

Copilot überall – Chance und Stolperfalle zugleich

Microsoft hat seinen KI-Assistenten «Copilot» inzwischen in praktisch jedes Produkt eingebaut (und mittlerweile auch schon wieder zugegeben, dass es vielleicht nicht die beste Idee war...). Für rund ein Zwänzgernötli pro Person und Monat – zusätzlich zum bestehenden Microsoft-365-Abo – bekommst du einen digitalen Mitarbeiter, der Texte entwerfen, Daten zusammenfassen und E-Mails vorsortieren kann.

Die spannende Frage ist nicht, ob das Werkzeug etwas kann – sondern ob es dir hilft, deine Arbeit besser und zufriedener zu erledigen. Ein Schreiner, der mit Copilot seine Offerten treffender formuliert, hat einen echten Gewinn. Ein Schreiner, der damit Kundenanfragen automatisch beantwortet, weil er keine Zeit hat, verliert mitunter genau das, was seine Kunden an ihm schätzen: das Persönliche.

Der Philosoph Byung-Chul Han bringt es auf den Punkt: «Das Problem der KI ist nicht die KI – sondern der Mensch, der sie als Werkzeug der Selbstoptimierung einsetzt.» Wenn KI dazu führt, dass du mehr schaffst, ohne zu wissen wozu – dann optimierst du dich selbst, nicht dein Geschäft. Wenn sie dir aber eine Stunde am Tag schenkt, die du für das Wesentliche nutzt – dann ist sie ein gutes Werkzeug.

Meine Empfehlung: Bevor du ein KI-Abo abschliesst oder irgendein anderes IT-Werkzeug kaufst, frage dich: Was genau möchte ich damit besser machen? Und hilft es mir, näher an meine Kunden zu kommen – oder weiter weg?

GenAI im Ernüchterungstief – und das ist gut so

Der grosse KI-Hype flacht ab. Gartner, eines der wichtigsten Analysehäuser der IT-Branche, sieht generative KI inzwischen im sogenannten «Trough of Disillusionment» – dem Tal der Ernüchterung. Das klingt negativ, ist aber eigentlich eine gute Nachricht: Die übertriebenen Versprechen («KI ersetzt deinen Buchhalter bis nächsten Dienstag») weichen einer realistischeren Einschätzung.

Für dich bedeutet das: Lass dich nicht von Verkäufern hetzen, die dir KI-Lösungen aufschwatzen wollen, bevor klar ist, welches Problem sie überhaupt lösen. Du kennst es: Wenn man nicht weiss, was man will, macht man nach einer Effizienzoptimierung einfach noch schneller das Falsche.

EU AI Act – betrifft mich das überhaupt?

Die EU hat ihr KI-Gesetz (AI Act) auf den Weg gebracht. Seit Februar 2025 gelten die ersten Verbote, ab August 2026 greift die volle Regulierung für sogenannte Hochrisiko-KI. Die spannende Frage: Betrifft das Schweizer Unternehmen?

Die kurze Antwort: Nicht automatisch. Der AI Act gilt nach dem Marktortprinzip – er betrifft dich, wenn du selbst ein KI-System auf dem EU-Markt anbietest oder wenn der Output deiner KI in der EU zum Einsatz kommt. Dass dein Lieferant oder Kunde in der EU sitzt, macht dich nicht zum Regulierungsadressaten. Du bist Kunde, nicht Betreiber eines KI-Systems im Sinne des Gesetzes.

Was allerdings passieren kann: EU-Lieferanten könnten dir vertraglich Pflichten auferlegen – etwa Transparenz beim Einsatz von KI-generierten Inhalten – weil sie selbst reguliert sind. Und wenn du beispielsweise ein KI-Tool nutzt, um Offerten für EU-Kunden zu erstellen, könnte der Output unter die Regulierung fallen. Es lohnt sich also, ein Auge darauf zu haben – auch wenn du heute noch nicht direkt betroffen bist.

Die IT-Governance für den "Normalo"

Regulierungen hin oder her - was du jetzt tun kannst: Prüfe, ob deine Passwörter sicher verwaltet werden (nicht auf Klebezetteln am Bildschirm, nicht im Excel), ob dein Virenschutz aktuell ist, ob du ein Backup hast und ob du im Ernstfall weisst, wen du anrufst. Das sind keine Luxusfragen, das ist schlichtweg dein digitales Werkzeug in Schuss halten - quasi der IT-Frühlingsputz.

Hast du Fragen zu einem dieser Themen? Oder kommt dir beim Lesen ein ganz anderes IT-Thema in den Sinn, das dich beschäftigt? Melde dich – ich bin für dich da.

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Quellen & Hintergrund

Copilot-Einordnung: Gartner «Top Strategic Technology Trends 2026»; Thoughtworks Technology Radar Vol. 31/32. GenAI Hype Cycle: Gartner Hype Cycle for AI 2025. EU AI Act: Verordnung (EU) 2024/1689, in Kraft seit August 2024, schrittweise Umsetzung bis 2027; Anwendbarkeit auf Schweizer Unternehmen: BDO, Lenz & Staehelin, CDBF 2025. Byung-Chul Han: «Die Krise der Narration», Matthes & Seitz 2024. Trendradar: Digita Mondo Tech & KI Trendradar 2026 (intern).

Alex Schwerzmann 13. Mai 2026
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Es wird (nicht) einfacher